23. März 2020

Soziale Isolation und Gewalt in der Familie

Corona-Krise, soziale Isolation und  Gewalt in der Familie

Was sich viele Menschen in der hektischen Arbeitswelt als einen Segen vorstellen, kann leider auch zum Alptraum werden: von einem Tag auf den nächsten bleibt die ganze Familie zwangsweise auf unbestimmte Zeit zusammen in der Wohnung.

Neben der räumlichen Enge kommen noch weitere Faktoren, wie finanzielle Unsicherheiten, Langeweile, erhöhter Suchtmittelkonsum, Existenzängste und Mehrfachbelastungen durch Home-Office und fehlende Kinderbetreuung, zu der eh schon belasteten Situation hinzu.

Konflikte haben in dieser unklaren Situation viel Raum und Zeit zu eskalieren und den Familienmitgliedern bleibt kaum Möglichkeiten sich dem zu entziehen.

Die Situation mit dem Corona-Virus und deren Folgen für die Gesellschaft sind neu und es gibt keine Studie darüber, wie die familiären Konsequenzen bestmöglich bewältigt werden können. Die Forschung weiß jedoch viel über Angst, häusliche Gewalt und Arbeitslosigkeit – und genau diese Risikofaktoren spielen häufig zusammen.

Wie organisiert man sich nun in dieser ungewohnten Situation, in der wir die nächste Zeit verbringen müssen? Wie sehe ich zu, dass es mir und meinen Nächsten gut geht und wie reguliere ich meine Wut, wenn sie sich zu entladen droht? Wie gelingt es mir, Geduld aufzubringen?

Es ist in Ordnung…

– wenn Sie sich verunsichert fühlen
– wenn es Sie sich eingeengt und isoliert fühlen
– wenn Sie sich sorgen machen: um Ihre Gesundheit, um Ihre Liebsten oder um Ihre finanzielle Existenz.

Es ist nicht in Ordnung…

– Ihre Not an anderen auszulassen und Gewalt anzuwenden!

Was können Sie tun?

Strukturieren Sie Ihren Alltag

Strukturieren Sie ihn gemeinsam mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner und auch gemeinsam für die Kinder.
Strukturieren Sie den Alltag jedoch in erster Linie für sich selbst: Schlafenszeiten, Arbeit, Haushalt, Hobbies, Sport.

Freiräume gewähren und Grenzen respektieren

Es geht um den feinen Grat zwischen Abstand und Kontakt. Welcher Abstand tut mir gut? Wieviel Kontakt brauche ich? Wo sind meine Grenzen? Wie sieht das bei meinem Gegenüber aus?

Im normalen Alltagsstress finden wir oft wenig Zeit für einander – plötzlich haben wir zu viel davon. Umso wichtiger ist es nun, jedem seinen freien Raum zu gewähren.

Es ist gut, bisherige feste Rituale beizubehalten, es ist jetzt jedoch genauso wichtig, dass jeder / jede seinen selbstgewählten Beschäftigungen nachgehen kann.

Kommunikation und Wahrnehmung

Jeder nimmt die Situation anders wahr und geht anders damit um. Dies zu erkennen und zu respektieren, nimmt vielen Konflikten den Wind aus den Segeln.

Sprechen Sie über Ihre Gefühle und Ängste. Achten Sie die Gefühle und Ängste Ihrer Partnerin / Ihres Partners / Ihrer Kinder – auch wenn diese von den Ihren abweichen.

Alarmsignale
Achten Sie auf sich und ihre Alarmsignale. Wenn Sie wütend werden kann das ein Hitzegefühl sein, Herzrasen, Anspannung in den Händen, Nacken oder im Kiefer. Es können aber negative Gedanken sein oder Ihre Stimme wird lauter – Sie fangen an zu schreien oder zu fluchen. Nehmen Sie diese Signale ernst und verlassen Sie die Situation.
Jedes Signal ist ein Warnsignal und kein Angriffssignal!

Bevor eine Situation zu eskalieren droht und bevor es zu Gewalt kommt

  • verlassen Sie die Situation
  • holen Sie sich Hilfe

Wir bieten Ihnen ab sofort bei drohenden oder eskalierenden Krisensituationen Telefonberatungen an.

Bitte beachten Sie die geänderten Telefonsprechzeiten – diese gelten ab sofort. Änderungen werden an dieser Stelle bekannt gegeben:

Montag                     10 – 15 und von 20 – 22 Uhr

Dienstag                   10 – 15 Uhr

Mittwoch                  11 – 16 Uhr

Donnerstag              11 – 16 und von 20 – 22 Uhr

Freitag                      12 – 15 Uhr

Sollten Sie nur den Anrufbeantworter erreichen, befinden wir uns gerade in einem Gespräch. Sprechen Sie bitte deutlich Ihren Namen und Ihre Rückrufnummer darauf – wir rufen Sie umgehend zurück.

Sie können uns auch eine Mail an: brandenburg@bzfg.de schicken – wir nehmen dann, wie gewünscht, entweder Online oder telefonisch Kontakt mit Ihnen auf.