Ein Angebot für Berlin

Ein Angebot für Berlin

Das Angebot ist auf Gewaltprävention und Täterarbeit spezialisiert, ohne dabei geschlechtsbezogen Einschränkungen vorzunehmen: Sowohl Frauen als auch Männer werden in Kursangeboten und Einzelgesprächen unterstützt, ihr Gewaltverhalten zu ändern und ihre sozialen Kompetenzen zu entwickeln.

Das Berliner Zentrum für Gewaltprävention ist seit bald 20 Jahren die wichtigste Berliner Beratungseinrichtung für Menschen, die Gewalt verübt haben oder befürchten, dies tun zu können.

Steigende Nachfrage

Die Nachfrage nach den Beratungsangeboten ist kontinuierlich gestiegen. Schon seit einigen Jahren ist mit den begrenzten Kursangeboten und Beratungsressourcen eine Auswahl und Abweisung von Beratungssuchenden verbunden. Die Beratungen richten sich auf das gesamte Feld möglicher Gewalttätigkeit, deutliche Häufungen bestehen im Bereich geschilderter Körperverletzungsdelikte und Beziehungsgewalt. Dabei ist das beratene Klientel denkbar vielfältig: Ehepartner, Familienväter, Gewaltstraftäter mit gerichtlicher Beratungs- oder Bewährungs-auflage, Lehrer, Altenpflegerinnen, Polizisten, Ärzte und Schauspieler aus mehr als zwanzig Herkunftsnationen, allen sozialen Gesellschaftsschichten.

Das Angebot kann die Nachfrage nach Gewaltpräventionskursen und Beratung
bei Weitem nicht abdecken.

Bewältigung

Gewaltverhalten resultiert aus eingeschränkten Bewältigungsfähigkeiten zwischenmenschlicher Konflikte auf dem Hintergrund eines häufig stark verzerrten Selbst-, Beziehungs- und Gesellschaftsverständnisses. Menschenbild und Religion dienen dabei regelmäßig als Begründungskontext, gesellschaftliche und Geschlechter-Gewaltverhältnisse erhalten Gewaltneigungen aufrecht oder führen sie gar erst herbei.

All diesen Bedingungen von Gewalt kann mit Hilfe strukturierter Beratungs- und Schulungsangebote, evaluiert und auf aktuellstem konzeptionellem Niveau, nachhaltig und gewaltpräventiv entgegengesteuert werden.

Team & Finanzierung

Die Beratungsangebote des Berliner Zentrums für Gewaltprävention werden getragen von gleichzeitig bis zu 18 Honorarberatern und -beraterinnen, Psychologen, Diplom- und Sozialpädagogen und auch einem Theologen, koordiniert durch ein Sekretariat. Das gesamte Angebot der Einrichtung und auch die institutionelle Organisation des Berliner Zentrums für Gewaltprävention sind in den letzten eineinhalb Jahrzehnten ausschließlich möglich gewesen durch Förderung durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Die Konsequenzen einer durch Stiftungszuwendungen finanzierten Organisation sind häufige Fluktuationen bei den Honorarmitarbeitern und eine ausschließliche Konzentration auf die konkrete Beratungstätigkeit.

Eine ausreichende Angebotskapazität einer dauerhaft und stabil senatsgeförderten Beratungseinrichtung würde zu einem deutlich höheren Prozentsatz an beratenen und gewaltpräventiv unterstützten Tätern häuslicher Gewalt führen und damit die Wahrscheinlichkeit von Wiederholung und Eskalation von Gewalttaten im familiären Umfeld mindern.

Vernetzung

Notwendig für eine dauerhafte und qualitätsgerechte Gewaltprävention ist darüber hinaus aber die institutionelle Vernetzung mit Opfereinrichtungen und anderen Akteuren der psychosozialen Landschaft, die ebenfalls und unter Umständen mit denselben Personen oder aber den Gewaltbetroffenen beratend tätig sind. Hinzukommend wäre es Gremienarbeit und eine verstärkte gesellschaftliche Vernetzung, was stabile und dauerhafte Beschäfti-gungsverhältnisse der Mitarbeiter voraussetzt.

Intervention

Insbesondere der Angebotsbereich Intervention bei häuslicher Gewalt verlangt andere Finanzierungs- und Rahmenbedingungen, um den fachlich angemessenen Anforderungen an kooperative Beratung in Zusammenarbeit mit den Opferberatungsstellen in Berlin gerecht zu werden.

Standards

Die vom Berliner Zentrum für Gewaltprävention maßgeblich mitentwickelten und mittlerweile bundeseinheitlich vereinbarten Standards für Täterarbeit im Zusammenhang eines Interventionsangebotes bei häuslicher Gewalt sind ausschließlich in einer dauerhaft regelfinanzierten Beratungseinrichtung mit festgelegtem Fach-Personalschlüssel fachgerecht umzusetzen.

Kriminalstatistik

Täterorientierte Intervention im Zusammenhang eines koordinierten Interventionsangebotes bei Häuslicher Gewalt ist erklärtes Ziel des seit Jahren politisch gewollten Berliner Programms „Beendet Häusliche Gewalt“.  Mit der derzeitigen finanziellen Ausstattung der täterorientierten Beratungseinrichtungen wird laut polizeilicher Kriminalstatistik in Berlin gegenwärtig regelmäßig ein maximal einstelliger Prozentsatz aktenkundig häuslicher Gewaltstraftäter in Beratungsangebote eingebunden. Eine standardgerechte Täterarbeit im Rahmen eines Interventionsprojektes, wie sie in den meisten anderen Bundesländern längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, sucht man in der Bundeshauptstadt seit Jahren vergeblich.

Das Berliner Zentrum für Gewaltprävention ist personell und fachlich bestmöglich aufgestellt, um ein derartiges Angebot standardgerecht und in enger Kooperation mit den Opferberatungseinrichtungen in Berlin zu installieren.

Was wird gebraucht?

Erforderlich hierfür ist die Einstellung von Mitteln in den Landeshaushalt 2018/19 für Räumlichkeiten, sächliche Ausstattung und Honorarmittel sowie drei Personalstellen (Dipl. Psych. (M.Sc.) /Dipl. Soz. Päd, angelehnt an E 13 TVöD) für Beratungstätigkeit und eine Personalstelle Sekretariat (angelehnt an TVöD 6).